Ja, ich will! – Interview mit Hochzeitsredner Martin Fett

Vom wichtigsten Tag im Leben und dem Moment, wenn die Stimme versagt

Zu den außergewöhnlichen Stimm-Berufen gehört auch der von Martin Fett: Er ist Hochzeitsredner und traut Paare im Rahmen einer freien Trauung. Wir haben Martin getroffen und wollten wissen, was das für ein Gefühl ist, wenn man zwei Menschen den schönsten Tag in ihrem Leben bereitet:

Martin, du bist seit fast fünf Jahren Redner auf Hochzeiten. Wie viele Menschen hast du schon an ihrer Hochzeit begleitet?

In den letzten Jahren durfte ich schon über 100 Freie Trauungen und Reden halten. Mich berührt das aber jedes Mal aufs Neue und ich bin sehr dankbar, diesen Job ausüben zu dürfen und meine Erfahrungen außerdem auch im Rahmen der Hochzeitsredner-Seminare weitergeben zu können.

Welche Rolle spielt deine Stimme in deinem Beruf?

Eine wahnsinnig große Rolle! Die Menschen nehmen meist über das E-Mail Formular auf meiner Website den ersten Kontakt zu mir auf. Dort ist ein großes Foto von mir, doch das allein sagt ja noch nicht viel über einen Menschen aus. Was dann folgt, ist ein Gespräch am Telefon. Das ist der Moment, wenn das zukünftige Brautpaar zum ersten Mal meine Stimme hört. Die Entscheidung fällt dann quasi in dem Moment, in dem wir miteinander reden. Schließlich kommt es darauf am meisten an: Klingt meine Stimme sympathisch? Stimmt die Chemie? Ich finde es immer sehr charmant, wenn die Leute sagen, dass meine Stimme total zu dem Bild auf meiner Website passt und ich am Telefon genauso sympathisch klinge, wie ich scheinbar aussehe.

Nehmen wir an, das Brautpaar möchte im Juli heiraten und setzt voraus, dass du an dem Tag noch nichts vorhast. Wie bereitest du dich dann auf den großen Tag vor?

(Lacht) Ja, das ist eine gute Voraussetzung, denn tatsächlich bekomme ich im Monat an die 100 Anfragen und muss meine Termine gut koordinieren. In der Regel treffe ich mich 2-3 Monate vor dem Hochzeitstermin mit den Verlobten, meist besuche ich sie zu Hause. Da erfährt man immer am besten, wie diejenigen leben, wie sie ticken und was ihnen am Herzen liegt. Ich versuche dabei, ihre Persönlichkeiten kennenzulernen, und achte dabei auch auf scheinbare Kleinigkeiten, z.B. welche Kosenamen sie sich geben und ob sie vielleicht einen Dialekt sprechen. Das Paar erzählt mir dann seine Kennenlern- und Liebesgeschichte und ich bereite darauf die Traurede vor. Am Ende steht dann immer eine Traurede, die zu 100% individuell und persönlich auf das Brautpaar, deren Charakter und Geschichte zugeschnitten ist.

Darf das Paar deine Rede vor der Trauung lesen?

Ich rate davon immer ab. Denn zunächst einmal verdirbt es ja die Überraschung, ich mag es sehr, wenn sich die Gefühle des Brautpaars am Tage der Hochzeit auf ihren Gesichtern spiegeln. Auch für die Gäste ist das immer ein sehr besonderer und emotionaler Moment. Zum anderen wirkt das geschriebene Wort natürlich längst nicht so stark, wie das gesprochene. Bei der Rede kommt es besonders auf Intonation auf, auf Pausen, darauf, dass ich mal flüstere und dann wieder lauter bin. Die Emotionen kommen in der Rede einfach viel mehr zur Geltung, da ich meine Stimme hier sehr gezielt einsetzen kann. Ich erzähle schließlich eine lebendige Geschichte.

Mittlerweile gibst Du selbst Hochzeitsredner-Seminare. Wer sind deine „Schüler“ und was gibst du ihnen mit auf den Weg?

Immer mehr Menschen wollen Hochzeitsredner werden, ich beobachte das total fasziniert. Wir geben mittlerweile 6 anstatt 4 Seminare im Jahr und treffen dort auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten: Da kommen Moderatoren, Radiosprecher und Synchronsprecher, aber auch solche, die bisher keine professionelle Redner-Erfahrung haben und die die romantische Vorstellung dieses Jobs reizt. Diese Menschen erzählen einfach wahnsinnig gerne Geschichten und möchten die Menschen damit berühren – das macht ebenso einen guten Hochzeitsredner aus, wie ein professioneller Sprecher. Ich gebe meinen Seminar-Teilnehmern außerdem gerne mit auf den Weg, immer ein gutes Mikrofon zu nutzen. Denn auch, wenn die Hochzeits-Gesellschaft nicht riesig ist – für die Stimme ist es enorm anstrengend, 45 Minuten lang auf Lautstärke gepolt zu sein. Das lässt viel weniger Freiheiten zu, als wenn man sich auf die technische Unterstützung verlassen kann. Dann kann man auch mal leise Töne anschlagen oder die Stimme ganz sanft klingen lassen.

45 Minuten fast ununterbrochen zu reden – das ist für die Stimme doch sicher eine Herausforderung, oder?

Ganz bestimmt. Ich bin das durch meine Moderatoren-Tätigkeit, die ich schon seit über 10 Jahren ausübe, mitunter gewohnt. Man kann hier aber spezielle Sprech-Trainings absolvieren, die der Stimme helfen, damit umzugehen. Vor einer Hochzeit achte ich auch darauf, dass ich ausreichend trinke und habe zudem Pastillen mit Mineralsalz dabei. Dadurch bleibt die Stimme geschmeidig.

Ist deine Stimme denn etwa immer geschmeidig geblieben oder gab es mal eine Situation, in der sie versagt hat?

Es gibt immer diesen besonderen Moment, wenn der Bräutigam sein Ehegelübde spricht. Denn ganz oft haben Männer viel emotionalere Gelübde als Frauen. Zumindest erwartet man das von ihnen seltener. Das trifft einen dann so unvorbereitet und berührt mich teilweise so sehr, dass ich mich ablenken muss, damit die Stimme nicht bricht. Ich gehe dann im Kopf Einkauflisten durch, denke an den nächsten Urlaub oder lenke mich durch andere, sachliche Gedanken ab.

Vielen Dank!