Eine junge Frau in Sportbekleidung hält eine Flasche Wasser in der Hand.

Glycerin: ein wahrer Allrounder

Um den Inhaltsstoff Glycerin in Kosmetik oder Lebensmitteln ranken sich viele Mythen. Bekannt ist die klare Flüssigkeit für ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu binden. Sie schützt damit unsere Haut, Lebensmittel oder Kosmetika vor dem Austrocknen. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die sagen, Glycerin würde der Haut Feuchtigkeit entziehen, also genau das Gegenteil bewirken. In diesem Artikel möchten wir die Unklarheiten rund um den vielseitigen Stoff Glycerin beseitigen und Ihnen zeigen, wie und wo Sie ihn einsetzen können.

Was ist Glycerin?

Glycerin ist ein vielseitig einsetzbares Produkt. Es handelt sich bei dieser farb- und geruchlosen Flüssigkeit um einen 3-wertigen Alkohol (später mehr zur chemischen Zusammensetzung). Glycerin kommt natürlich in unserem Körper vor und ist deshalb sehr gut verträglich. Außerdem ist es Bestandteil aller tierischen und pflanzlichen Fette, aus denen es zur Weiterverarbeitung gewonnen wird. Die synthetische Herstellung ist ebenfalls möglich. Sie wird aufgrund der Reinheit des Produkts für die Verwendung in der Medizin, Hautpflege oder Lebensmittelindustrie bevorzugt. Die vielen Talente der unscheinbaren Flüssigkeit sind schon lange bekannt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde es im Haushalt als Putzmittel verwendet. Heute ist es vor allem in der Kosmetik für seine feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften beliebt. Doch Sie werden überrascht sein, wo Glycerin noch überall zu finden ist – von der Landwirtschaft bis zur Shisha-Bar. In diesem Artikel möchten wir Ihnen das unscheinbare Multitalent genauer vorstellen und Ihnen einige nützliche Tipps für die Anwendung geben.

Einblick in die Chemie

Zusammensetzung und Bezeichnung

Die chemische Bezeichnung von Glycerin ist Propan-1,2,3-triol oder Propantriol und damit ist es ein sogenannter Zuckeralkohol. Der Name Glycerin ist dabei irreführend, da Alkohole immer auf -ol Enden. Da sich der Name aber aus dem griechischen glykys (=süß) und dem lateinischen cera (=Wachs) zusammensetzt, hat dieser nichts mit den chemischen Eigenschaften des Stoffs als Alkohol zu tun. Nachträglich wurde deshalb die Bezeichnung Glycerol eingeführt. Wenn dieses in Lebensmitteln verarbeitet ist, wird es auf der Liste der Inhaltsstoffe als E 422 aufgeführt. Auf keinen Fall sollte Glycerin mit dem verwandten Stoff Nitroglycerin verwechselt werden. Dieser entsteht durch eine Reaktion von Glycerin mit Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure und wird als Sprengstoff in Dynamit verwendet.

Herstellung

Glycerin kann aus allen pflanzlichen und tierischen Fetten und Ölen gewonnen werden. Da dies für die Produktion im großen Stil nicht ausreichend ergiebig ist, wurden noch andere Methoden entwickelt. Das Fermentieren von Zucker ist eine Möglichkeit, doch auch Erdöl erwies sich als profitable Quelle.

Anwendung von Glycerin

Kosmetik

Glycerin wird häufig in Kosmetikprodukten verwendet, da es zum einen Feuchtigkeit spendet, diese aber auch im Produkt bindet. In Hautcremes zum Beispiel nimmt es Feuchtigkeit aus der Luft auf, die in die Haut einzieht. So wird diese vor dem Austrocknen geschützt und bleibt geschmeidig und elastisch. Da es ein körpereigenes Produkt ist, kann es bei Hautbeschwerden wie Ausschlag oder Verbrennungen verwendet werden. Auch das Emcur® Sport Gel mit Beinwell und CBD enthält Glycerin. Damit sorgt es für eine angenehm geschmeidige und elastische Haut. In anderen Fällen wird Glycerin als Feuchthaltemittel von Produkten eingesetzt und sorgt dafür, dass sie nicht austrocknen – beispielsweise in Zahncreme oder Duschgel.

Lebensmittel

Auch in Lebensmitteln wird Glycerin eingesetzt, um Feuchtigkeit zu binden und im Produkt zu halten. Datteln oder Kaugummis werden deshalb oft damit behandelt. Außerdem eignet es sich gut als Süßungsmittel, da es ansonsten farb- und geruchsneutral ist.

Haushalt

Die vermutlich vielseitigste Anwendung findet Glycerin im Haushalt. Dort kann es als Frostschutzmittel, Putzmittel, Weichmacher und vieles mehr eingesetzt werden. Hier einige Beispiele:

  • Das Gefrierfach nach dem nächsten Abtauen mit einigen Tropfen Glycerin benetzen. Es bildet sich nicht so schnell Eis und wenn doch, lässt sich dieses leichter entfernen.
  • Auf glatten Oberflächen kann Glycerin nach dem Putzen dünn aufgetragen werden. So findet Staub keine Haftung und bleibt länger fern. Auf dem Badezimmerspiegel sorgt es dafür, dass dieser beim Duschen nicht beschlägt. Dazu sollte das Glycerin einmal pro Woche aufgetragen werden.
  • Glycerin hält Blumen und sogar Weihnachtsbäume länger frisch. Für Schnittblumen einen Teil Glycerin und zwei Teile Wasser mischen. Ihren Weihnachtsbaum können Sie für zwei Tage in eine Mischung aus einem Liter Glycerin auf zehn Liter Wasser stellen.
  • Auch für Kleidung gibt es verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Steife Lederhandschuhe können mit Glycerin wie mit einer Handcreme eingerieben werden und sind nach kurzer Zeit wieder weich. Als Fleckentferner kann es stellenweise aufgetragen werden und beseitigt zum Beispiel Kaffee- oder Ketchup-Flecken. Als Weichspüler können zwei Löffel Glycerin mit in die Waschmaschine gegeben werden. Das macht kratzige Wolle wieder kuschelweich.

Medizin

Für die Medizin hat Glycerin große Bedeutung. Es wird zur Behandlung von Hirnödemen eingesetzt und rettet dadurch Leben. Ebenso effektiv, wenn auch etwas weniger existenziell, eignet es sich ebenso als Abführmittel in der Form von Zäpfchen. Aktuelle Forschung beschäftigt sich mit dem kanadischen grauen Laubfrosch, der Glycerin bildet, um zu überwintern. Diese Technik könnte bei langwierigen Operationen von Bedeutung sein.

Tabak

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie beim Rauchen von Shisha-Pfeifen oder E-Zigaretten dieser dicke, weiße Dampf entsteht? Die Antwort ist auch hier Glycerin. Einerseits wird es tatsächlich für diesen Effekt verwendet, andererseits dient es als Schutz vor Austrocknung des Tabaks. Deshalb enthält vor allem Shisha-Tabak oft große Mengen des Stoffs.

Weitere Anwendungsbereiche

Neben den oben genannten Bereichen findet Glycerin auch in der Chemie als Ausgangsstoff für viele Synthesen und in der Landwirtschaft als Futtermittel Anwendung. In der Industrie dient es unter anderem als Frostschutzmittel, Schmierstoff oder Weichmacher. Auch bei der Produktion von Kunststoffen, Mikrochips oder Farbstoffen wird Glycerin verwendet.

Glycerin: Das bewirkt es wirklich

Der größte Nutzen, der von Glycerin ausgeht, ist seine Fähigkeit, Feuchtigkeit zu binden. Dadurch eignet es sich in Cremes verarbeitet wunderbar zur Hautpflege, selbst bei gereizter Haut. Auch als Lebensmittel kann es verarbeitet werden. Es ist sowohl in den USA als auch in der EU als unbedenklich ohne Höchstmengenbeschränkung eingestuft. Beim Rauchen von Shisha-Pfeifen oder E-Zigaretten sollte aber auf die Menge geachtet werden. In Tests ist es hier gelegentlich zu Reizungen der Schleimhäute und Nasenbluten gekommen. Der Verzehr von mehr als 50 Millilitern kann zu Kopf- und Bauchschmerzen führen. Gelegentlich steht Glycerin unter Verdacht, die Haut auszutrocknen, statt zu pflegen. Hierzu braucht es allerdings sehr spezielle Voraussetzungen: Die Konzentration des Glycerins muss mindestens 30 Prozent betragen und die Luft muss sehr trocken sein. Dann entzieht es der Haut Feuchtigkeit und gibt diese zum Ausgleich an die Luft ab. In den meisten Kosmetikartikeln beträgt die Konzentration aber maximal 10 Prozent. Glycerin sollte deshalb nicht unverdünnt auf die Haut gegeben werden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Verwendung von Palmöl zur Herstellung von Glycerin. Oft wird dieses auch in Bio-Produkten verarbeitet. Hier sollten Sie beim Kauf genau auf die Inhaltsangaben des Herstellers achten. Des Weiteren finden Sie auf dem Produkt Auskunft darüber, ob tierische Fette verwendet wurden oder ob es sich um veganes Glycerin handelt.

Häufige Fragen

Verarbeitet in Kosmetikartikeln, ist Glycerin ein optimaler Feuchtigkeitsspender. Es nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und bindet diese auf der Haut, sodass sie dort einziehen kann. Unverdünnt sollte es nicht auf die Haut gebracht werden, da dies den gegenteiligen Effekt hätte.

Glycerin kann unter bestimmten Umständen die Haut austrocknen. Dazu braucht es aber eine hohe Konzentration im Hautpflegeprodukt (über 30 Prozent) und sehr trockene Luft. Herkömmliche Produkte trocknen die Haut nicht aus, da sie maximal eine 10-prozentige Konzentration von Glycerin enthalten.

Pflanzliches Glycerin wird aus pflanzenbasierten Ölen gewonnen, wie zum Beispiel Kokos- oder auch Palmöl. Auf der Basis von Erdöl hergestellt, handelt es sich um synthetisches Glycerin. Chemisch sind diese alle gleich.

Glycerin ist ein körpereigenes Produkt und deshalb grundsätzlich sehr gut verträglich. Es kann auf empfindlicher oder gereizter Haut angewendet werden. Ob es die geeignete Pflege bei Neurodermitis ist, sollten Sie am besten mit Ihrem Hautarzt besprechen, da jede Haut unterschiedliche Ansprüche hat. Glycerin sollte nicht unverdünnt angewendet werden.

Neben der Verarbeitung in Kosmetikprodukten findet Glycerin im Haushalt zahlreichen Nutzen. Es kann zum Schutz vor Frost in der Gefriertruhe, als Versiegelung nach dem Putzen oder als Weichspüler verwendet werden. Sogar Schnittblumen und Weihnachtsbäume bleiben mit Glycerin länger haltbar. Auch als Lebensmittelzusatzstoff, in Tabakwaren, in der Medizin und der Landwirtschaft kommt es zum Einsatz.

Von reinem Glycerin geht keine Gefahr aus. Es wurde in den USA und der EU als unbedenkliches Lebensmittel eingestuft. Es sollten aber nicht mehr als 50 Milliliter verzehrt werden, da dies zu Kopf- und Bauchschmerzen führen kann. Es sollte nicht unverdünnt verzehrt werden.

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